Sechs Minuten reichen!
Liebe Gemeindemitglieder, zum 30. Weihetag habe ich ein schönes Geschenk bekommen: ein 6-Minuten-Tagebuch. Nun gehöre ich nicht zu den Menschen, die morgens um sechs Uhr mit leuchtenden Augen in ein Notizbuch schreiben. Da bin ich schon froh, wenn der Kaffee den richtigen Weg in die Tasse findet. Aber die Idee gefällt mir.
Drei Minuten am Morgen (fällt bei mir weg), drei Minuten am Abend. Ein kurzer Blick auf das, was gut ist. Das „6-Minuten-Tagebuch“ arbeitet mit einer einfachen Übung: Wer täglich kurz aufschreibt, wofür er dankbar ist, verändert mit der Zeit seinen Blick. Der Tag wird dadurch nicht leichter. Die Sorgen verschwinden nicht. Aber man sieht mehr als nur das, was fehlt.
In einem Podcast hörte ich dazu ein schönes Bild: Unser Blick ist wie eine Taschenlampe. Man kann den Lichtkegel eng stellen. Dann sieht man nur einen kleinen Punkt. Oft genau das, was nervt. Den Ärger. Die Sorge. Das Unerledigte. Man kann den Lichtkegel auch weiter stellen. Dann kommt mehr ins Licht. Das Schwere bleibt da. Aber daneben taucht anderes auf: ein gutes Gespräch, ein gedeckter Tisch, ein stiller Moment, ein Mensch, der freundlich war. Manchmal ist das Gute schon da. Es stand nur am Rand des Lichtkegels.
Dankbarkeit ist eine alte christliche Übung. In jeder Eucharistie sagen wir Dank. „Eucharistie“ heißt genau das: Danksagung. Dankbarkeit redet nichts schön. Sie sagt nur: Ich übersehe das Gute nicht. Das Brot auf dem Tisch. Ein freundliches Wort. Ein Sonnenstrahl im richtigen Moment. Einen Menschen, der geblieben ist. Die Kraft für diesen Tag.
Sechs Minuten reichen.
Ihr Pfarrer Lampe


